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Sophie Brahe
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Ven und Tycho Brahe
   

Sophie Brahe



„Ich habe eine Schwester mit Namen Sophie, welche vor sechs Jahren Witwe wurde nach einem guten und edlen Ehemann. Sie war zu diesem Zeitpunkt noch recht jung und hatte nur ein einziges Kind, einen Jungen.

Und da sie, wie so oft es eben ist, in diesen Jahren als Witwe großen Kummer hatte, begann sie eine Beschäftigung zu suchen, die sie, so möglich, ab und zu aufmuntern könnte. Zuerst legte sie in Eriksholm (ihrem Haus in Schonen, das wie eine Burg gebaut ist) einen wunderschönen Garten an, kaum einen ebenbürtigen findet man in diesen nördlichen Teilen der Welt. Sie legte vielerlei Anstrengungen und unermüdliche Arbeit nieder, und einiges mehr, das ich nicht nennen will, und sie legte ihn nach den besten Regeln an, in geplanten Abschnitten sowohl mit einer Anzahl verschiedener Baumsorten als auch Gartengewächsen, und mit anderer passender Einrichtung — an einen Ort, wo früher nichts dergleichen bekannt war.

Nach dieser Tat fühlte sie sich trotzdem weiterhin nicht ganz befreit von ihrem schweren Kummer und so wandte sie sich der Chemie zu, mit der Absicht, gewisse spagyrische Arzneien herzustellen. Auch diese Beschäftigung führte sie mit nicht geringem Erfolg aus, ja, so langsam gab sie diese Mittel nicht nur ihren Freunden und den Wohlhabenden, wo eben Bedarf bestand, sondern auch ohne Gegengabe den Armen — zur großen Hilfe. Da sie allerdings auch nicht auf diese Weise ihre intellektuellen Ambitionen verwirklichen konnte, die ununterbrochen weiter und höher strebten, widmete sie sich zuletzt mit glühender Energie astrologischen Voraussagungen, ausgehend von Geburtshoroskopen — sei es nun auf Grund ihrer leuchtenden Begabung und den einen oder anderen Genius, die sie ständig zu immer Höherem anfeuerten, oder sei ihr Geschlecht in sich selbst empfänglich auf das Wissen um die Zukunft; vielleicht auch gepaart mit einem gewissen Maß an Aberglaube.

Ich selbst hatte freilich auf den ersten Gebieten (und mehr in Chemie als in Gartenkunst, da sie selbst sich sehr gut darauf verstand) ihr mit Instruktionen und Wegbegleitung beigestanden, wann immer sie es wünschte, aber bei den astrologischen Spekulationen ermahnte ich sie ernst, sich fernzuhalten, sich nicht einem Gebiet zuwendend, das zu abstrakt und kompliziert für die weibliche Begabung sei. Aber sie, mit einem so unbeugsamen Willen und so großer Selbstsicherheit gesegnet, auf geistigen Gebieten auch nicht einem Manne nachstehend, widmete sich im Gegenteil nur um so eifriger den Studien, und lernte in kurzer Zeit allein das astrologische Grundwissen, teils von lateinischen Verfassern, die sie auf eigene Kosten ins Dänische übersetzen ließ, teils von deutschen Verfassern (in dieser Sprache hat sie ausgezeichnete Kenntnisse) auf diesem Gebiet. Als ich die deutlichen Zeichen erkannte, hörte ich auf, ihr entgegenzuarbeiten und begnügte mich, ihr für ihre weiteren Studien mit Rat zur Seite zu stehen." (Tycho Brahe, nach Urania Titani)

Sophie Brahe wurde 1556 auf Knutstorp geboren. Mit 17 Jahren wurde sie Tychos Assistentin und half ihm bei Beobachtungen unter einer Mondfinsternis. 1577 heiratete sie Otto Thott zu Eriksholm (heute Trolleholm); nach 11 Jahren Ehe starb Otto Thott. Sophie führte den Gutsbetrieb weiter und erzog den Sohn Tage Ottesen Thott. Sie besuchte ihren Bruder 5-6 mal im Jahr auf Ven und blieb mehrere Wochen auf Uranienburg. Tycho sah in ihr einen Kollegen und nannte sie ,,meine gelehrte Schwester". Mit ihr konnte er intellektuelle Konversation führen.

Auf Ven traf Sophie Erik Lange, einen vermögenden und gelehrten Mann, der besonders an Alchimie interessiert war, die Kunst Gold zu machen. Sie verlobten sich 1590. Erik reiste ins Ausland, Sophie kehrte auf Eriksholm zurück, sich um die Erziehung ihres Sohnes zu kümmern. Elf Jahre wartete sie auf Erik. Seine Begeisterung für Alchimie kostete ihn immense Summen, bis er letztendlich ruiniert war. Kreditgeber jagten ihn und er floh ins Ausland, ein Versuch, seine Finanzen zu regeln. Sophie versuchte zu helfen und Geld zu beschaffen, sie verpfändete Eriksholms Grund an ihren Bruder Steen Brahe.

Als Sohn Tage sein Elternhaus zwecks Auslandsstudien verließ, beschloss Sophie Erik Lange nachzureisen. Sie fand ihn in Hamburg, total verarmt. 1602 heirateten sie endlich. Die Ehe mit Erik Lange führte viele Kümmernisse mit sich und Sophie sah sich gezwungen, sich auf Grund seiner schlechten Geschäfte noch mehr zu verschulden. Als Sohn Tage heimkehrte, übernahm er die Führung von Eriksholm. Über Sophies Aufenthalt in dieser Zeit ist nichts bekannt. Zwar lebte sie eine Zeit lang bei ihrem Sohn, aber ob Erik Lange ihr folgte oder nicht, das liegt im Dunklen. Erik starb 1613 verarmt in Prag.

Sophie interessierte sich später für Familienforschung, ihr Stammbuch befindet sich heute in der Universitätsbibliothek von Lund. Ihre letzten Jahre verbrachte sie in Helsingborg, wo sie 1643, 87 Jahre alt, verstarb. Ihr Sohn holte ihren Leichnam einige Jahre später heim, um sie im Familiengrab bei der Kirche von Torrlösa zu bestatten. Die Grabkapelle wurde 1862 zerstört, aber ein Denkstein erinnert seit 1914 an sie, an der Stelle, wo einst ihr Sarg in der Erde gelegen hatte.