Uranienburg — Sternwarte, Laboratorium und Schloss

Die Insel Ven ist etwa 4,5 x 2,4 Kilometer groß, eine Platte mit steil abfallenden Ufern, 20-40 Meter hoch. Mitten auf der Insel, auf dem höchsten Punkt, 45 Meter über dem Meeresniveau, befindet sich der Standort, den Tycho Brahe im Jahre 1576 für sein Observatorium Uranienburg wählte.
Die Uranienburg wurde von 5,5 m hohen und 75 m langen Mauern im Quadrat umgeben, mit sehr genau nord-südlich und ost-westlich ausgerichteten Ecken. Das Gebäude stand mitten in einer kreisförmigen offenen Fläche, der Zwischenraum zwischen dieser und den äußeren Mauern wurde von einem Park eingenommen, den Tycho Brahe selbst entworfen hatte. Der innere Garten war streng geometrisch geformt, mit Blumen und insbesondere Kräutern bepflanzt, zur Anwendung medizinischer Forschung und im Haushalt. Der äußere Garten bestand vorwiegend aus Obstbäumen.

Mit guter Wertschätzung der ursprünglichen Bepflanzung hat man in den letzten Jahren ein Viertel des Parks rekonstruiert, möglich geworden durch unter Ausgrabungen gefundene Samen; gewisse Anhaltspunkte stammen von Brahes eigenen Aufzeichnungen. Eine Vegetationsverbesserung wird kontinuierlich durch die Zusammenarbeit mit der schwedischen Agraruniversität garantiert.
Das Hauptgebäude war aus rotem Ziegel erbaut, mit reichlicher Dekoration aus Sand- und Kalkstein, die Ausgestaltung inspiriert von der holländischen Architektur. Das Schloss hatte zwei Etagen, Keller und Mansarde. Im Parterre lagen im südlichen Turm die Bibliothek und die Küche im entgegengesetzten, im nördlichen Turm. Dazwischen, im quadratischen Mittelteil, befanden sich vier gleich große Zimmer. Drei davon dienten Besuchen, besonders von Forscherkollegen, das vierte bewohnten Brahe und seine Familie. Das Obergeschoss war in zwei kleinere und ein größeres Zimmer unterteilt, letzteres königlichen Gästen vorbehalten. Im Keller waren ein Verwahrungsraum für Speisen, Salz und Brennstoff und ein Laboratorium. Die Mansarde bestand aus acht kleineren Kammern zur Unterbringung der Studenten.
Die Uranienburg war ziemlich bescheiden in ihren Ausmaßen: Die Seitenlänge des quadratischen Zentralgebäudes betrug 15x15 Meter.

Aber die Uranienburg war eines der ersten Bauwerke überhaupt, für die als wichtigstes Kriterium astronomische Beobachtungen galten. Sinn und Zweck aller Türme und Balkone war ihre Funktion als Instrumentenplattform. Die Ausrichtung des Gebäudes wählte man im Hinblick auf die größtmögliche Abdeckung des Firmaments mit Hilfe von Instrumenten, und um die exakte Einstellung des Großen Mauerquadranten zu vereinfachen.
Das Hauptgebäude der Uranienburg, Kupferstich aus Blaeu´s Atlas major, 1663

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| Plan vom Hauptgebäude der Uranienburg, Keller und Erdgeschoss. Rekonstruktion von Beckett/Christensen, 1921 |
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Plan vom Hauptgebäude der Uranienburg, Obergeschoss und Mansarde. Rekonstruktion von Beckett/Christensen, 1921 |
Der Große Mauerquadrant war ein Meisterstück in Einfachheit und Präzision. Er wurde für Messungen von Bogenhöhen über dem Horizont (Altitüden) verwendet, wenn die Himmelskörper den Meridianplaneten passierten, wenn sie sich an ihrem südlichsten Punkt befanden. Da die Uranienburg genau in nord-südlicher Richtung platziert war, vereinfachten sich Einstellungen von Quadranten und die Stabilität eben dieser Einstellungen wurde verbessert. Mit einem Messingbogen von fast zwei Meter Radius, kombiniert mit Brahes innovativer Visieranordnung und der diagonal graduierten Skala, hatte das Instrument eine Genauigkeit von einer sechstel Bogenminute, 10 Bogensekunden. Das ist die absolute Grenze für visuelle Ablesungen, genauere Werte können nur mittels optischer Ausrüstung erreicht werden.
Das Laboratorium im Keller war vortrefflich ausgerüstet. Sechzehn Öfen standen für chemische, medizinische und alchimistische Versuche zur Verfügung. Gewisse Öfen waren an ein Destillationssystem angeschlossen, dessen Kühlrohr durch die Fenster hinaus und dann wieder zurück in den Raum ging. Die Ergebnisse unterlagen zum größten Teil der Geheimhaltung, andererseits wissen wir, dass Brahe viel Zeit zur Entwicklung von Arzneien aufbrachte.
Position: Longitud 12° 41' 52" E - Latitud 56° 54' 29" N
Der Große Mauerquadrant

Vogelperspektive der Uranienburg, Kupferstich aus Blaeu´s Atlas major, 1663
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