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Tycho Brahe, Chemie und Medizin

Bei alchimistischen Untersuchungen und chemischen Experimenten habe ich nicht so geringe Umsicht walten lassen. Dieses behandelte Material hat einige Analogie mit den Himmelskörpern und deren Auswirkungen, warum ich normalerweise diese Wissenschaft die Irdische Astronomie nenne." (Aus Tycho Brahes Selbstbiographie in der Mechanica). Seine astronomischen Forschungen nannte Brahe „Die himmlische Chemie".

Die Chemiker der Renaissance hatten zwei Hauptaufgaben: Als erstes Gold zu erzeugen, als zweites ein Universalmittel herzustellen, anwendbar gegen alle Krankheiten.

Das Laboratorium im Keller der Uranienburg war hervorragend ausgerüstet: Sechzehn Öfen standen für chemische, medizinische und alchimistische Experimente zur Verfügung. Einige davon waren an ein Destillationssystem angeschlossen, dessen Kühlrohr durch die Fenster hinaus und zurück ins Laboratorium führte. Brahe hielt seine Forschungsresultate größtenteils geheim, aber wir wissen, dass er viel Zeit zur Medikamentenherstellung aufbrachte.

In den Arzneien fanden sich hauptsächlich Kräuter aus dem eigenen Garten, animalische und mineralische Stoffe. Quecksilber war ein üblicher pharmazeutischer Bestandteil; scheinbar hat Tycho Brahe knapp vor seinem Tod seine eigenen Mittel zur Heilung einsetzte, die auch Quecksilber enthielten.


Beispiele von Tycho Brahes Arzneien

„Ein Mittel gleich gut wie sicher und leicht zur Bekämpfung von Fieber …

Nimm zwei gleich große Teile der Kräuter Cenaurea und Cardus benedicta, koche von jedem Tropfen in Wasser, versetzt mit Cichoria, oder auch gewöhnliches Wasser, lege anschließend das Pulver des Unterkiefers vom Stichling in die Brühe und gib dieses vor dem Anfall, offenbare in der Zwischenzeit niemandem etwas von dieser Arznei. Vieles wird schon dadurch vertrieben, lebende große Spinnen in einer Nussschale verschlossen um den Hals zu tragen, bis diese sterben; sogar als magnetisches Mittel kannst Du´s verwenden. Ich kenne auch andere heimliche und verlässliche Schutzmittel zur Bekämpfung aller Art Fieber, aber diese will ich, falls nötig, Dir lieber mündlich als schriftlich mitteilen." (Aus einem Brief Brahes von 1571)

Tycho Brahes Mittel gegen Epilepsie
Die Grundsubstanz ist der Gehirnschädel eines Menschen, der gehängt oder gerädert wurde. Der Schädel wird getrocknet und zusammen mit Pfingstrosensamen zu Pulver zerstoßen. Das Mittel darf nicht bei Vollmond eingenommen werden.

Tycho Brahes Pestelixier

Die Hauptingredienzien sind Venezianischer Theriak (ein Produkt mit variierender Zusammensetzung), unter anderem soll vom Horn eines Einhorns enthalten sein. Das Einhorn ist ein Fabeltier. Zu Brahes Zeit verwendete man Narwalzähne, Schwefel- oder Eisenverbindungen, Aloe, Myrrhe, Safran, Wacholderbeeröl und Bernsteinöl. Wollte man die Wirkung der Medizin verstärken, konnte man eine Tinktur aus Korallen, Perlen, Saphiren und flüssigem Gold zusetzen. Manchmal wurde auch Opium zugefügt.


Image: laboratory in the Uraniborg basement. Details from the picture of the great Wall Quadrant in Blaeu's Atlas Major, 1663