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ASTRONOMIÆ INSTAURATÆ MECHANICA

Titelseite des Buches Tycho Brahes über seine Instrumente: ASTRONOMIAE INSTAURATAE MECHANICA "Die verbesserte astronomische Mechanik" gedruckt in Wandsbek 1598 Dieser Teil der Homepage beinhaltet eine Beschreibung aller Instrumente, die in dem Buch vorgestellt werden. Die Beschreibungen der Instrumente stammen aus den Buch „Wenn es aber so wäre?“ von Arne Wennberg, mit Erlaubnis des Verfassers.

Der dänische Astronom Tycho Brahe (1546-1601) war Meister in der Instrumentenkonstruktion, seine Werkzeuge waren einzigartig: Die Welt hatte niemals früher so eine Vielfalt, so eine Präzision und solch eine Zuverlässigkeit gerade bei astronomischen Instrumenten wie eben zu seiner Zeit gesehen. Genauigkeit, Stabilität und Haltbarkeit waren herausragende Eigenschaften aller, ihr Standort im Observatorium war gründlich durchdacht; in einem Observatorium, welches just für diesen Verwendungszweck gebaut worden war. Frühere Astronomen waren gezwungen, mit Differenzen bis zu zehn Minuten in ihren Beobachtungen zu kalkulieren. Tycho Brahes Studien waren sehr oft besser, mit nur einer halben Minute Fehlermarginal. Er führte lange Serienbeobachtungen mit den selben Instrumenten durch, besonders von späteren Astronomen sehr geschätzt. Brahe lebte vor der Erfindung von Teleskop und Fernrohr — er führte seine Arbeiten mit bloßem Auge durch. Die Exaktheit in seinen Sternwarten war sehr hoch und nahe dem äußersten Punkt des physisch Möglichem des Auszuführend

Brahes kleinster Quadrant (1573)

Eines der früheren Instrumente Brahes und sein erster Quadrant. Sein Radius betrug zirka 39 cm und er war aus vergoldetem Messing hergestellt. Der Quadrant diente zur Höhenbestimmung und war mit einer Nonius-Skala (siehe nächster Abschnitt) für genaueste Ablesungen ausgerüstet; dieses Gerät wurde allerdings nicht gar so oft verwendet. Meist wurde er wegen eines kleinen aufgemalten Kunstwerkes beschrieben: Ein Baum mit grünem Laub und grünem Gras am unteren Rand der linken Seite. Auf der rechten Seite ist der Baum mit toten Wurzeln und abgestorbenen Ästen zu sehen, im Gras sitzt ein Jüngling mit einem Lorbeerkranz im Haar, ein Buch und einen Himmelsglobus in den Händen. Unter den verdorrten Zweigen steht ein Tisch, bedeckt mit den verschiedensten Symbolen des Reichtums und der Vielfalt; ein Skelett beugt sich über die Tafel, versucht, die Wertgegenstände an sich zu nehmen. Über dem Bild steht ein Pentametervers in Latein: erzählend, dass nur Studium und Wissen Unsterblichkeit verleihen kann, aller Reichtum und aller Wohlstand sind vergänglich.

Das Instrument wurde auf der Sternenburg aufbewahrt.


Der Mittelgroße Quadrant (1580)

Dieses Messgerät war aus massivem Messing fabriziert. Es wurde für bestimmte Höhenmessungen verwendet, war jedoch auch mit einem waagrechten Zirkel plus Skala zur Ablesung von Azimutalwinkeln ausgestattet. Der Radius maß 58 cm. Dieses Instrument, ebenso der kleinere Quadrant und ein Sextant, waren mit einem System von Hilfsskalen für einfache und sehr genaue Ablesungen versehen. Dieses System stammte von einem portugiesischen Mathematiker und Astronom, Pedro Nunez (Latein: Nonius, 1492-1577). Theoretisch war es eine elegante Weise zur Erhaltung guter Ablesungen, aber in der Praxis jedoch war es schwierig, all diese Bögen perfekt zu gravieren. Das Gerät war außerdem mit einem anderen System ausgerüstet, welches Brahe selbst eingeführt und entwickelt hatte, der sogenannten Transversalteilung. Brahe hatte es in seiner Jugend in Leipzig kennengelernt und später verbessert. Er zog sehr bald sein eigenes dem Nonius-System vor. Der Platz des Instrumentes befand sich im großen südlichen Observatorium auf der Uranienburg.

Der Messingquadrant

Die Funktion dieses Quadranten gleicht dem vorherigen. Er bestand aus echtem Messing und hatte ebenso einen Radius von 58 cm, noch dazu einen Zirkel für Messungen von Azimutalwinkeln, gegossen in massivem Messing, 117 cm im Diameter. Dieses Instrument besaß jedoch weder das Nonius- noch das Transversalsystem für Ablesungen, diese erfolgten trotzdem mit einer Genauigkeit von einer Minute. Das Werkzeug besaß eine sehr leichte Konstruktion, konnte somit einfach montiert und auf Reisen mitgenommen werden. Der Platz des Instrumentes war im großen südlichen Observatorium auf der Uranienburg. Ein Quadrant ist ein viertel Teil eines Kreises, also ein Sektor, der 90 Grad umfasst. Auf die gleiche Art und Weise ist ein Sextant ein sechstel Teil eines Kreises, mit 60 Grad und ein Oktant ein achtel Teil mit 45 Grad.

Der Astronomische Höhensextant

Der Sextant gehörte zu Brahes bevorzugten Instrumenten. Er wandte ihn sowohl für Höhenbestimmungen als auch für Messungen des Abstandes zwischen einzelnen Sternen an, den sogenannten Sterndistanzen. Es ist einer von drei Sextanten in ungefähr der gleichen Größe, die Brahe baute. Sein Platz befand sich im größeren südlichen Observatorium auf der Uranienburg. Das Instrument war vermutlich aus Holz gefertigt, aber kunstfertig mit Messingblech überzogen und vermittelte den Eindruck massiven Messings. Bogen und Visiereinrichtung waren ebenfalls aus Messing hergestellt. Der Radius betrug 155 cm. Dieser Sextant hing an einer Säule und konnte nur senkrecht gedreht werden, war darum einzig für Höhenmessungen zu gebrauchen. Für solche Messungen musste der oberste Schenkel des Instrumentes exakt waagrecht liegen, dafür verwendete man eine Lotschnur. Der Sextant war ziemlich leicht und konnte einfach auseinander genommen und an anderer Stelle wieder zusammengebaut werden.

Der Große Mauerquadrant (1582)

Er war Brahes wichtigstes Instrument und gleichzeitig einfach und leicht zu verstehen. Der Mauerquadrant bestand aus einem massiven Messingbogen, einem rechten Winkel, der direkt an der linken Mauer im südwestlichen Raum des Schlosses montiert war. Das Instrument war sorgfältig nach der Meridianlinie, nordsüdliche Richtung, justiert. Am Bogen fanden sich zwei verschiebbare Visiere. Nahe der Decke der südlichen Wand war ein kleines Loch mit einem aus vergoldetem Messing bestehenden Zylinder. Der Astronom verschob das Visier, bis er den Stern in einer Linie mit dem Zylinder sah. Zur Messung der Sonnenhöhe fing man den Zylinderschatten im Visier. Mit dieser Konstruktion konnte Brahe die Meridianhöhe von Himmelskörpern bestimmen, außerdem auch die Zeit der Meridianintervalle berechnen. Das Werkzeug besaß Brahes berühmtes Transversalsystem für genaue Ablesungen, Werte mit einer Genauigkeit von einer sechstel Minute, will sagen 10 Sekunden, waren möglich. Brahe nannte den Mauerquadranten auch den Tychinischen Quadranten. Die Wand hinter dem Instrument war von bekannten Künstlern dekoriert.

Der Drehbare Azimutalquadrant (1586)

Dieses Instrument war teilweise aus Stahl, teilweise aus Messing verarbeitet. Der Radius hatte 155 cm. Das Werkzeug besaß einen Messkreis von Azimutalwinkeln, er war 230 cm im Durchmesser und war direkt an der Wand befestigt. Höhe und Azimut konnten somit gleichzeitig gemessen werden. Der Platz des Quadranten befand sich in der nordöstlichen Krypta auf der Sternenburg. Seine Skala, bei der die Minuten in vier Intervalle aufgeteilt waren, ermöglichte Ablesungen mit einer Genauigkeit von fünfzehn Sekunden. Das Instrument konnte die ganze Horizontlinie entlang gedreht werden. Mit diesem Werkzeug bestimmte Brahe sehr genau (mit Hilfe von Polaris) die Latitüden für sein Observatorium. Er maß die höchste und die kürzeste Entfernung eines Sterns. Von mehreren verschiedenen Warten berechnete er anschließend einen Mittelwert; die Platitüde, die er schließlich festsetzte, unterschied sich nur vierzehn Bogensekunden von der genauen! Auf eben diese Weise maß Brahe die östlichste und westlichste Lage des Sterns und bestimmte die Meridianlinie, die sogenannte Nord-Südlinie. Der Fehler war geringer als eine halbe Minute.

Der Große Stahlquadrant (1588)

Mit dem großen Mauerquadranten war es nur möglich, die Meridianhöhen zu bestimmen. Dies war nicht ausreichend. Brahe konstruierte deswegen einen in der Horizontalen drehbaren Quadranten, mit dem es gelang, teils die Höhen in allen Richtungen zu messen, teils auch gleichzeitig die Richtung zu bestimmen, den Azimutalwinkel. Das vorangegangene und auch dieses Instrument dienten dazu und sind sich ähnlich. Es war der größte von Brahes Quadranten. Der Radius maß 194 cm. Der Azimutalwinkel an der Wand war 350 cm im Diameter. Das Werkzeug war aus Stahl fabriziert, Skala und Visiere waren aus Messing hergestellt. Abgelesen konnte mit einer Genauigkeit von zehn Sekunden werden. Der Quadrant war von einem rechteckigen Stahlrahmen umgeben, welcher Stabilität verlieh. Brahe sagte, wenn ein Mensch auf das Instrument klettern und sich daran hängen würde, könne man trotzdem das Werkzeug ohne die geringste Beschädigung drehen. Das Instrument stand in der südwestlichen Krypta auf der Sternenburg. Die Steintreppe und die Steinsäulen mitten in der Krypta sind noch heute in den Ruinen der Sternenburg auszunehmen.

Der Große Semikreis für Messungen der Azimutalwinkel (1588)

In dem größeren südlichen Observatorium auf der Uranienburg war auch der angestammte Platz des großen Semizirkels, ein Instrument aus Stahl, mit Messing überzogen. Er maß 233 cm im Diameter und war auf einen horizontalen Azimutalwinkel mit einem Diameter von 155 cm gestellt. Ein Lineal mit Visier konnte um einen Punkt an der Kante des Semizirkeldiameters gedreht werden. Die Höhe war an einer Skala am Semizirkel abzulesen und die Azimuten auf einer Skala am horizontalen Ring. An der Instrumentenspitze thronten drei Göttinnen: Urania, die Göttin der Wissenschaften, die Astronomie repräsentierend, in der Mitte stehend, eine weibliche Figur stellte die Geometrie dar, mit Dreiecken in ihren Händen, und als drittes die Göttin der Arithmetik mit Zahlen in ihren Händen. Auch dieses Instrument konnte einfach demontiert und an anderer Stelle zusammengebaut werden.

Das Parallaktische Instrument

Solche Instrumente nennt man auch Ptolemäische Lineale. Vermutlich bestanden sie zu größten Teilen aus Messing. Die Lineale waren 155 cm lang. Das Instrument hatte seinen festen Platz im größeren südlichen Observatorium auf der Uranienburg. Es wurde zur Bestimmung des Zenitabstandes verwendet, besonders zur Berechnung der Parallaxer. Der Zenitabstand für einen Himmelskörper ist 90 Grad minus dessen Höhe. Die Konstruktion war in die Horizontale drehbar, in verschiedene Azimutalwinkel, aber diese konnten nicht abgelesen werden.

Die meisten Werkzeuge Brahes mussten vor Gebrauch eingestellt werden, dafür bediente man sich oft eines Lotes. Beim Parallaktischen Instrument lief das Lot durch ein Rohr, um Störungen durch den Wind zu verhindern.

Tycho Brahe nannte noch ein sehr ähnliches Instrument sein eigen, welches einst Nikolaus Kopernikus gehört hatte und ein Geschenk war. Es bestand aus Holz, die Skala war mit Tinte aufgezeichnet. Brahe hielt das Geschenk hoch in Ehren, erkannte aber klar, dass es veraltet war und hatte es deswegen nicht in Verwendung.

Das Parallaktische Instrument mit Azimutalzirkel (1583)

Dieses Instrument war das größte von Brahe auf Ven konstruiert und gebaut. Es befand sich in dem größeren nördlichen Observatorium auf der Uranienburg und war fest montiert. Quellen nach war es aus massivem Messing gebaut. Die Lineale hatten zusammen eine Länge von 330 cm, die Azimutalzirkel waren an einer Mauerkante plaziert. Der Diameter war 466 cm. Die Lineale wurden mit einem Scharnier zusammengehalten und mittels einer Leine hochgezogen, die über ein kleines Rad an der Spitze des Instrumentes lief. Abgelesen wurde durch eine Lotleine, welches eine Skala am waagrechten Balken kreuzte. Die Zenitabstände und Azimutalwinkel, besonders letztere, konnten sehr genau bestimmt werden. Brahe begann während des Jahres 1581 den Mond kontinuierlich zu beobachten, mit eben dieser Art von Werkzeug. Unter einem Zeitraum von 15 Jahren sammelte er mehr als 400 Mondbeobachtungen in seinen Aufzeichnungen. Er entdeckte unter anderem, dass die Neigung der Mondbahn gegen die Ekliptik nicht konstant verlief. Des weiteren, dass die Schnittpunkte zwischen Mond- und Sonnenumlaufbahn sich sachte und unregelmäßig Richtung Westen bewegten.

Der Zodiakal-Armillarsphäre (1580)

Tycho Brahe hatte mehrere Armillaren. Diese waren von zwei Sorten: zodiakal oder äquatorial, beruhend auf dem angewandten Koordinatensystem. Im Zodiakalsystem sind die Koordinaten Celest Longitüden und Latitüden. (Nicht zu verwechseln mit Longitüden und Latitüden der Erdoberfläche.) Die Longitüden wurden am Himmel gemessen, vom Äquinoktialpunkt entlang der Ekliptik in östlicher Richtung. Latitüden sind die rechtwinkeligen Abstände entlang der Ekliptik. Wenn man eine Beobachtung mit einem Zodiakal-Armill plante, musste man erst diesen exakt gegen Norden richten und die Höhe der Pole über den Horizont einstellen (Beobachters Latitüde). Der innerste Ring repräsentiert die Ekliptik — und man war gezwungen, diesen bei jeder Messung wieder in die richtige Position zu justieren, auf Grund der täglichen Rotation der Erde, dies konnte mittels Anwendung eines Sternes mit bekannter Longitüde als Anhaltspunkt geschehen. Brahe klagte über das Gewicht der Ringe, sie waren zu schwer, was wiederum die Genauigkeit beeinflusste. Der äußerste Ring hatte einen Diameter von 117 cm. Das Instrument stand in der nordwestlichen Krypta auf der Sternenburg. Es war Brahes erste Armillarsphäre.

Der Nördliche Äquatorial-Armillar (1584)

Die zwei kleineren Sternwarten im Schloss hatten nur Platz für je ein Instrument: in beiden war ein Äquatorial-Armillar aufgestellt. Sie waren von gleicher Größe, unterschieden sich jedoch in der Konstruktion. Dieses Instrument stand im kleineren nördlichen Observatorium auf der Uranienburg. Des äußersten Ringes Diameter betrug 155 cm, er war aus Stahl, die inneren Ringe aus Messing. Im Äquatorialsystem sind die Koordinaten Rektaszension und Deklination. Die Rektaszension misst man längs dem Äquator vom Punkt der Frühjahrs-Tag-und-Nachtgleiche und gen Osten. Die Deklination ist der rechtwinkelige Abstand zum Äquator. Bevor man mit der Beobachtung begann, justierte man das Werkzeug in nördlicher Richtung und stellte die Polhöhe ein (Astronomens Latitüde). Der Armill wurde auf die gleiche Weise angewandt wie der nächste. Das Gerät war mit Portraits vierer berühmter Astronomen geschmückt: Ptolemäus, Al Battini, Kopernikus und Tycho Brahe selbst.

Der Südliche Äquatorial-Armillar (1584)

Dieser Armillarsphäre hatte eine ähnliche Funktion wie der oben beschriebene. Er stand in dem kleineren südlichen Observatorium auf der Uranienburg. Grund dafür, dass Brahe zwei fast gleiche Armillaren hatte, einen an jedem Ende des Schlosses, war, dass der Schlossturm bei gewissen Beobachtungen im Weg stand. Brahe veranlasste außerdem oft zeitgleiche Studien mit verschiedensten Instrumenten und verschiedensten Beobachtern. Dieses Werkzeug hatte drei bewegliche Stahlringe. Der äußerste Ring hatte keine andere Funktion als für die Stabilität zu dienen. Waren die Einstellungen erledigt (siehe vorheriger Abschnitt), konnten die Studien mit Hilfe der Visiere der Ringe und dem kleinen Zylinder in der Instrumentenmitte von statten gehen. Die Deklination konnte man sofort an den Ringen bestimmen. Da der Äquinoktialpunkt nicht unmittelbar am Himmel sichtbar ist, konnten die Rektaszensionen nicht auf die gleiche leichte Weise ermittelt werden. Der Unterschied in den Rektaszensionen zwischen den Sternen mit bekannten Werten und Sternen mit unbekannten Werten konnte abgelesen und somit die Rektaszensionen der unbekannten Himmelskörper berechnet werden.

Der Große Äquatorial-Armillar (1585)

Tycho Brahe war ein Vorreiter in seiner Arbeit mit dem Äquatorial-Armillar. Dieses Werkzeug wurde erst nach den Armillaren des Schlosses gebaut und bedeutete konstruktionsmässig einen großen Schritt vorwärts. Dieser Armillar war mächtiger und einfacher in seiner Anwendung. Er bestand aus einem einfachen Deklinationskreis, 272 cm im Diameter, und einem Halbkreis, der den Äquator repräsentierte, 350 cm im Diameter. Sein Material war Stahl, mit Skalen und Visieren aus Messing, seine Achse war genauestens eingestellt, um parallel mit der Erdachse zu sein, der Halbkreis war auf die gleiche Art und Weise nach der Äquatorialebene ausgerichtet. Zwei rund um das Instrumentenzentrum drehbare Lineale besaßen an ihren äußeren Rändern Visiere und wurden ebenfalls zur Deklinationsbestimmung verwendet. Zwei weitere Visiere konnten entlang dem Äquator geschoben werden; zwischen ihnen konnte der Unterschied zwischen der Rektaszension zweier Himmelskörper gefunden werden. Ebenso war der Stundenwinkel am Äquator ablesbar, die Winkeln konnten mit einer Genauigkeit von einer viertel Minute, also fünfzehn Sekunden abgelesen werden. Das Instrument war in der südlichen und größten Krypta auf der Sternenburg aufgebaut, unter der mächtigen Kuppel des Observatoriums.

Der Zweigeteilte Bogen für kleine Winkel (1583)

Brahe konstruierte mehrere Instrumente zur Messung kleiner Winkel. Dieses ist eines davon: Es bestand aus zwei Messingbogen, jeder deckte 30 Grad; sie waren an einem Ende einer 155 cm langen Eisenstange montiert, mit zwei kleinen Zylindern als Zielpunkte in entgegengesetzter Richtung. Das Messgerät wurde von zwei Beobachtern bedient und wurde zu Messungen von Sterndistanzen bis zu 30 Grad angewandt. Der Bogen hing an einer Säule und konnte in allen Richtungen und Ebenen bewegt werden. Gerade mit diesem Werkzeug kontrollierte Brahe später alle Abstände zwischen den Sternen im Sternbild Cassiopeia, zusammen mit Stella Nova 1572. Er fand keine Anhaltspunkte, um seine Theorie über den neuen Stern zu ändern. Den Abstand zu eben diesem Stern konnte Brahe nicht kontrollieren, er war schwächer geworden und nicht länger nur mit bloßem Auge sichtbar. Der Bogen befand sich in der größeren nördlich gelegenen Sternwarte auf der Uranienburg.

Der Dreieckige astronomische Sextant (1582)

Dieser Sextant war sicherlich Brahes bester. Der Radius betrug 155 cm und er bestand hauptsächlich aus Holz. Brahe verwendete nicht oft dieses Material, der Vorteil war jedoch das geringe Gewicht. Entschied sich Brahe für Holz, dann nahm er nur auserwählte Stücke von Walnuss oder Kiefer. Er überzog sie mit Kanvasgewebe und bestrich sie mit einer Mischung aus Bleiweiß und Leinöl, um einer Veränderung des Holzes entgegenzuwirken. Der Bogen und die Visiere waren wie üblich aus Messing hergestellt. Der Sextant war an einem kupfernen Globus mit einem Diameter von 52 cm befestigt - auf diese Art und Weise konnte das Instrument in alle Richtungen und Ebenen eingestellt werden. Zwei Observateure waren für seine Bedienung notwendig. Sollten sehr kleine Winkel gemessen werden, dann standen die beiden Beobachter nahe beieinander, in diesem Fall wurde ein Extravisier gebraucht. Der Hauptverwendungszweck des Sextanten waren Bestimmungen des Abstandes zwischen Sternen, so genannte Sterndistanzen, aber er wurde auch für Höhenmessungen, insbesondere bei Planeten eingesetzt. Die Planeten überschritten niemals 60 Grad Höhe an der Stelle, an der Brahe sich befand. Das Instrument erreichte eine Genauigkeit von einer viertel Minute. Es stand in der südöstlichen Krypta der Sternenburg.

Stahlsextant für einen Beobachter (1574)

Eines der frühen Instrumente Brahes, aus Stahl gefertigt, mit Skala und Visieren in Messing. Es war speziell für Anwendungen durch einen einzelnen Beobachter konstruiert. Der Sextant konnte in wahlfreie Ebenen gedreht und justiert werden und diente hauptsächlich der Messung von Sterndistanzen. Er stand im größeren nördlichen Observatorium auf der Uranienburg. Tycho Brahe sah es als Vorteil an, manch eine Beobachtung nur von einem Astronomen durchführen lassen zu können, trotzdem es ein wenig komplizierter war und das Resultat nicht so gut ausfiel wie mit dem größeren Sextanten. Das Gerät konnte abgebaut und an einem anderen Platz wieder aufgebaut werden. Brahe stellte Beobachtungen vom Kometen des Jahres 1577 mit diesem Instrument an. Landgraf Wilhelm von Hessen, der eine Sternwarte in Kassel sein eigen nannte, kopierte den Stahlsextanten.

Das Instrument für kleine Winkel (1572)

Auch dieses zeitige Messgerät war nur von einem Mann zu bedienen. Vermutlich wurde es im Herrevadskloster gebaut und zur Beobachtung des neuen Sternes eingesetzt. Mit Hilfe des Instrumentes konnte der Astronom Sternabstände bis zu 30 Grad bestimmen. Laut Brahe war es möglich, der Bogen mit der Skala gegen einen längeren auszutauschen, der 60 Grad deckte; dies wird auf der nächsten Abbildung gezeigt. Wir können nicht mit Bestimmtheit sagen, ob die Bilder zwei verschiedene Geräte zeigen oder ein Gerät mit zwei verschiedenen Bogen. Der Bogen bestand aus Kupfer, der Radius betrug 155 cm, die beiden Seiten waren beweglich und mittels Scharnier zusammengehalten, die Winkeleinstellungen erfolgten durch eine Schraube. Das Werkzeug hatte keine feste Montierungsanordnung, der Benützer hielt es mit den Händen. Sein Aufbewahrungsort lag in der größeren nördlichen Sternwarte. Brahe hielt das Instrument für altmodisch und sprach von einem Beispiel von Einfachheit und geringen Kosten für den, der nicht genug Geld für besseres habe.

Der Sextant vom Herrevadskloster (1572)

1572 lebte Brahe bei seinem Onkel im Herrevadskloster. Dort baute er voraussehend einen neuen Sextanten; als sich der neue Stern am Himmel zeigte, hatte Brahe ein ziemlich gutes Messgerät zur Hand. Das Instrument bestand aus zwei Walnussholzbeinen, 32 ´ 48 mm und 155 cm lang, überzogen mit Kupferblech. Die Beine waren mit einem Scharnier verbunden. Ein Bein war stabil, das andere musste mittels einer Schraube eingestellt werden. Der Bogen und die Visiere waren aus Kupfer gefertigt. Brahe maß sehr gründlich den Abstand zwischen dem neuen Stern und den acht Hauptsternen in der Cassiopeia. Der Stern wanderte um den Pol und der obere Meridianübergang war nahe dem Zenit. Tycho Brahe konnte den höchsten Punkt mit diesem Gerät nicht bestimmen, sehr wohl aber die Höhe der unteren Meridianpassage. Um dies durchzuführen, platzierte er das Instrument in ein Fenster, wie das Bild zeigt. Der Sextant wurde in der größeren Sternwarte verwahrt. Brahe hielt ihn bereits damals für altertümlich. Siehe vorherigen Abschnitt.

Der Quadrant von Augsburg (1570)

Dieser sehr große Quadrant wurde von Tycho Brahe konstruiert und in Augsburg um zirka 1570 gebaut. Er wurde im Schlosspark des Ratsherrn Paul Hainzel außerhalb der Stadt aufgestellt. Der Radius betrug nicht weniger als 543 cm. - niemals später baute Brahe ein so mächtiges Instrument. Es bestand aus Eichenholz und war mit Eisen verstärkt, der Bogen war mit Messing überzogen und in 90 Grad unterteilt. Jedes Grad wiederum war in 60 Minuten eingeteilt, eine Bogenminute maß eine Länge von 1,6 mm. Das Gerät hing an einer Vertikalsäule aus Eiche. Der Quadrant konnte um das Kreiszentrum gedreht und arretiert werden, die Säule wurde erst durch einen Hebearm bewegt, sodass das Instrument in des Objekts Vertikalebene stand. Die Ablesung erfolgte mit Hilfe einer Lotschnur. Vierzig starke Männer waren von Nöten, um den Quadranten auf einer kleinen Erhöhung im Park aufzustellen. Auf Grund seines Gewichtes war das Instrument sehr umständlich anzuwenden. Als Brahe fünf Jahre später wieder Augsburg besuchte, fand er es in Trümmer: Ein Sturm hatte es umgeworfen und keine Reparatur erfolgte.

Der Große Stahlquadrant (1581)

Dieses Instrument wurde bereits oben beschrieben als ,,Großer Stahlquadrant": Es wurde ursprünglich 1581 gebaut, 1588 etwas modifiziert und auf die Sternenburg gebracht, wo es in der südwestlichen Krypta verkehrt aufgestellt wurde. Vermutlich war es an einem Azimutalhorizont (wohl aus Eisen) befestigt, der wiederum fünf Steinsäulen angebracht war. Der Quadrant war sehr schwer und konnte nur mit Schwierigkeiten am Azimutalhorizont gedreht werden. Die Umstellung bedeutete eine starke Verbesserung; der erste Standort befand sich eventuell in der größeren Sternwarte des Schlosses. Nach der Umsiedlung wurden die Steinpfeiler vermutlich für den großen Seimigeres angewendet, der im Lauf des Jahres gebaut wurde.

Der Große Messingglobus (1584)

Auf dem Globus findet man die Jahreszahl 1584 eingraviert, fertiggestellt wurde er allerdings sehr viel später. Brahe gab ihn 1570 bei einem Augsburger Handwerker in Auftrag. Als Innenmaterial verwendete man ausgesuchtes Holz. Als Brahe fünf Jahre später wieder in Augsburg weilte, fand er den Globus gesprungen; nach der Reparatur schickte er ihn unter einigen Problemen heim nach Dänemark. Wieder zu Hause, besserte er die Himmelskugel noch einmal umsichtig aus und justierte seine sphärische Form sehr genau, indem er mehrere Lagen Pergament auflegte, anschließend blieb der Globus zwei Jahre in diesem Zustand, damit man eventuelle Temperaturschwankungen, die die Form verändern könnten, zu erkennen vermochte. Als nächstes ließ Brahe den Globus mit einer Messingschicht überziehen, die so meisterhaft ausgeführt war, dass man kaum die Fugen finden konnte! Brahe wartete noch ein Jahr und dann wurden Äquator und Ekliptik eingraviert, gefolgt von den großen Sternbildern. Am Deklinationskreis oder Meridian konnten die Polhöhen über dem Horizont eingestellt und die Deklinationen abgelesen werden, auf dem breiten Horizontzirkel las man die Azimutalwinkel ab. Weiters fand sich ein senkrechter Zirkel mit einer Skala zur Höhenbestimmung. Alle Skalen waren in Brahes Transversalsystem eingeteilt und somit war es möglich, Werte bis zu einer Bogenminute zu erhalten. Der Horizontalkreis hatte außerdem eine lateinische Inschrift, welche endete: ,,Der Himmel öffnete sich durch ein sinnreiches Kunstwerk dem Sterblichen, der sich darauf verstehe". Während vieler Jahre arbeitete Brahe damit, den Globus mit Sternpositionen anzureichern, letztendlich überstieg die Anzahl die Tausendergrenze, das Ziel Brahes. Der Diameter des Globus betrug zirka 150 cm, die totale Höhe fast drei Meter. Er stand in des Schlosses Bibliothek. Wurde der Globus nicht benützt, schützte ihn eine hochziehbare Seidendecke. Was für einen imponierenden Anblick muss er geboten haben, dort, in der Schlossbibliothek!

Das Gebiet rund um die Uranienburg (zirka 1590)

Der Standort des Schlosses und seiner Anlage orientierte sich genau nach den Himmelsrichtungen. Die Umfassungsmauer war etwa fünf Meter hoch und bildete ein Quadrat mit einer Seitenlänge von 77,7 Meter. In jeder Ecke befand sich ein Gebäude: Gegen Westen und Osten Torhäuschen mit Wachhunden im Obergeschoss, in der südlichen Ecke befand die Buchdruckerei und im Norden die Gesinderäume. In der Mitte jeder Mauer waren Bastionen mit kleinen Sommerhäuschen platziert. Mehr als 300 Obstbäume wuchsen im Garten, es gab Blumen- und Kräutergärten. Die ganze Anlage war symmetrisch strukturiert: Als Mittelpunkt Schloss Urania, aus rotem Ziegel, mit Steinarbeiten aus grauem Kalkstein und Marmor um Fenster und Eingänge, mit Turm und Kuppeln über den Observatorien. Das Gebäude war in holländischem Renaissancestil erbaut. An der Spitze thronte eine Pegasusfigur, die Windrichtungen anzeigend, nicht nur sichtbar für die außerhalb des Schlosses stehenden Betrachter, nein, sondern auch, durch eine von Brahes vielen automatischen Anordnungen, für die innerhalb sich befindlichen.

Schloss Uranienborg (1580)

Das Schloss war nicht besonders groß: Die vier Wände maßen zirka 15 Meter, kreisförmige Nebengebäude waren nördlich und südlich eingefügt. Das Gebäude bestand aus Keller, zwei Wohnetagen und Mansardenräumen. Der Keller hatte am nördlichen Ende Lagerräume für Lebensmittel und Bedarfsartikel, im südlichen Teil, unter seiner kostbaren Bibliothek, hatte Tycho Brahe sechzehn Öfen für seine alchimistischen Experimente aufgestellt! Im Erdgeschoss, gen Norden gerichtet, lag die Küche, die Bibliothek lag südlich. Vier quadratische Zimmer dienten zum Studium und als Empfangsgemächer. Im ersten Stock war ein Saal mit Richtung nach Westen, mit einer phantastischen Aussicht über den Öresund, das Sommerzimmer genannt. Gegen Osten gerichtet waren zwei kleinere Stuben, genannt das Königs- und das Königinnenzimmer. Die Anbauten, gegen Norden und Süden, beinhalteten an jedem Ende ein größeres und ein kleineres kreisförmiges Observatorium mit Kuppeln, die in alle Richtungen geöffnet werden konnten. Entlang der Observatorien liefen Balkone mit Halterungen für kleinere Instrumente. Die Mansarde bestand aus acht Kammern für Brahes Assistenten. Das Schloss war verschwenderisch geschmückt mit Skulpturen, Gemälden etc, die auf des Gebäudes Zweck anspielten: Die Astronomie.

Das Observatorium Sternenburg (1586)

Tycho Brahe wollte baldigst eine zweite Generation Instrumente bauen, größer und besser sollten sie sein. Auch hatte er inzwischen die Schwachpunkte der Observatorien des Schlosses herausgefunden: Sie waren nicht stabil genug und die astronomischen Messgeräte waren oft genug den Störungen von Wind und Wetter ausgesetzt. Somit ließ er eine neue Sternwarte bauen, ,,siebzig kleine Doppelschritte" südlich vom Schloss gelegen. Er nannte sie die Sternenburg. Die Warte bestand aus fünf kreisförmigen Krypten, unter Erdniveau gelegen, mit einem Dach, das geöffnet oder weggenommen werden konnte. In jeder Krypta wurde ein mächtiges Instrument aufgebaut. Zwischen den Krypten lag ein kleines quadratisches Arbeitsgemach mit ungefähr 2,5 m Seitenlänge. Darin standen ein Ofen zum Aufwärmen, ein Tisch, um Berechnungen durchzuführen und Vorrichtungen, um kleinere Instrumente an den Wänden aufzuhängen. In der östlichen Mauer war das eingebaute Bett Brahes und zwischen der südwestlichen Krypta und dem Studierzimmer baute man einen kleinen Alkoven, in dem die Assistenten bei bewölktem Himmel ausruhen konnten. Der Eingang zur Sternwarte lag gen Norden. Auch die Sternenburg war mit Skulpturen und Gemälden dekoriert. Auf Erdniveau wurde das Observatorium von einem Zaun in Form eines Vierecks umgeben, jede Seite von 18 Meter, mit mehreren Montierungsvorrichtungen für kleinere Instrumente. Das obere Bild ist Richtung Westen, das untere Bild von Norden aus gesehen.

Ven — Insel im Öresund

Der Name der Insel kann auf verschiedenste Weise buchstabiert werden: Brahe schrieb seine Insel Hvenne, manchmal Hvenna, lateinisch Venusia. Die moderne schwedische Schreibweise lautet Ven, die Inselbewohner ziehen die alte Schreibweise mit einem H zu Beginn vor — Hven. Das Eiland liegt im Öresund zwischen Dänemark und Schweden, etwa 25 Kilometer nördlich von Kopenhagen und 7 Kilometer nordwestlich von Landskrona. 1660 trat Dänemark die Insel an Schweden ab und seither gehört sie zum Königreich Schweden; 1959 wurde Ven der Gemeinde Landskrona einverleibt. Die Größe der Insel beträgt ungefähr 4,5 ´ 2,4 Kilometer. Der Boden besteht aus sehr fruchtbarer Moräne, 20 — 40 Meter dick, Strände erheben sich steil aus dem Meer und kaum ein Baum ist auf der ganzen Insel zu finden.

Tycho Brahe erhielt die Insel als ein Geschenk des dänischen Königs im Jahr 1576. Schloss Uranienburg wurden mitten auf dem Eiland, auf seinem höchsten Punkt, gebaut, rund 45 Meter über dem Meeresspiegel. Bis 1597 lebte und wirkte er hier, bis er wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem Kopenhagener Hof die Insel verließ und als Kaiserlicher Astronom in Prag 1601 verstarb. Einer seiner Assistenten, Johannes Kepler, hatte Zugang zu Brahes umfangreichen Aufzeichnungen, mit deren Unterstützung er seine Gesetze der Planetenbewegungen untermauern konnte, diese Studien, die wir heute als Keplers Gesetze kennen.